| |||
Über das natürliche Licht und seine FarbenWorum es gehtDas natürliche Licht in seinen verschiedenen Formen – direkte Sonne, Schatten, bedeckter Himmel, Dämmerung – sieht für Digitalkameras unterschiedlich aus und beeinflusst die Farbwiedergabe auf Ihren Fotos. Die Unterschiede werden von einer Kamera anders wahrgenommen als vom menschlichen Auge. Daher erklärt dieser Artikel, wodurch sich diese Arten von Licht genau unterscheiden. Er gehört zusammen mit zwei anderen:
Alle drei zusammen ergeben ein Verständnis, wie die Farbwiedergabe Ihrer Digitalkamera möglichst natürlich ausfallen oder für eine bestimmte Bildwirkung beeinflusst werden kann. Und wie auch bei der Belichtung ist entscheidend, dass Sie für wirklich gute Fotos bei jeder Kamera – gleich welcher Preislage – etwas Hintergrundwissen brauchen und mitunter von Hand der aufwändigen Elektronik mitteilen müssen, was sie bitteschön für das nächste Bild zu tun hat. Wichtig ist auch, dass die Unterschiede in der Farbwiedergabe nicht immer so offensichtlich sind wie bei einem leuchtend roten Sonnenuntergang im Unterschied zur prallen Mittagssonne. Oft geht es um feine Unterschiede, die ein ungeschulter Betrachter nicht bewusst wahrnimmt – aber die Wirkung kann trotzdem da sein und den Unterschied zwischen einem „hübschen“ Bild oder einem, das spontan als besonders gelungen auffällt, ausmachen. Kurze Abschweifung: Den mit letzterem möglicherweise verbundenen Kommentar eines unbedarften Betrachters „Du hast aber auch eine bessere Kamera, nicht wahr?“ oder (wahrscheinlicher) „ich habe ja nur so eine ganz einfache Kamera ...“ werden Sie wohl nicht verhindern können. Aber wenigstens werden Sie nach Lektüre dieser drei Artikel wissen, dass es an der Kamera bestimmt nicht liegt, sondern daran, wie man sie benutzt. Das direkte Sonnenlicht
Licht lässt sich in der Physik durch elektromagnetische Wellen beschreiben; die verschiedenen Farben unterscheiden sich durch ihre Wellenlänge. Der Bereich an Wellenlängen, den das menschliche Auge wahrnimmt, ist das vom Regenbogen bekannte Farbspektrum. Es geht zur einen Richtung in das ultraviolette Licht über und zur anderen in den infraroten Bereich.
Das direkte Sonnenlicht enthält alle Wellenlängen, die das menschliche Auge wahrnehmen kann und ist naheliegenderweise ein Standard für „weißes“ Licht, an dem sich Digitalkameras ebenso wie analoge Filme („Tageslichtfilme“) orientieren.
Das Licht im SchattenDort, wo kein direktes Sonnenlicht hinfällt, kommt nur Licht an, das von woanders reflektiert wird und eine andere Farbe haben kann als das direkte Sonnenlicht.
Das führt uns zu einem kleinen notwendigen Exkurs: Warum ist der Himmel blau?Die Atmosphäre der Erde lenkt einen Teil des Sonnenlichtes ab und streut ihn in alle Richtungen - und zwar den blauen Teil des Lichtes wesentlich stärker als die anderen Farben.
Der Himmel erscheint blau, weil von allen Stellen des Himmels, an denen die Sonne gerade nicht sein kann, vor allem das blaue Licht in alle Richtungen gestreut wird und davon immer ein kleiner Teil dorthin fällt, wo wir zum Himmel blickenden Menschen gerade stehen. Deshalb ist der Himmel viel dunkler als die Sonne und halt blau.
Was bedeutet das für Fotos im Schatten?
Im Schatten ist das Licht „kühler“ (=bläulicher) als im direkten Sonnenlicht. Eine Kamera, die das Licht wie ein stets gleich arbeitendes Messgerät auffangen würde, würde Bilder mit entsprechend blaustichigen Farben produzieren.
Natürliche Farben werden auf Ihren im Schatten aufgenommenen Fotos nur dann erscheinen, wenn diese Farbkorrektur derjenigen möglichst nahe kommt, die das menschliche Gehirn vornimmt – denn das gleicht solche Farbstiche auch automatisch aus, weshalb uns Menschen dieser bläuliche Farbstich nicht so stark auffällt. Insbesondere für Hauttöne gilt, dass diese auf Fotos im Schatten gerne zu blass ausfallen. Das Licht bei Sonnenauf- und -untergangDer tiefe Sonnenstand knapp über dem Horizont bringt einen wichtigen Unterschied zum Licht tagsüber mit sich: Der Weg, den das Licht durch die Atmosphäre der Erde zurücklegt, ist länger.
Und da die Atmosphäre den blauen Anteil am Sonnenlicht ja stärker streut, wird also mehr blaues Licht abgelenkt und das übrigbleibende Licht erscheint uns rötlicher („wärmer“) als tagsüber. Die besonders warmen Farben eines Sonnenunterganges sind allgemein bekannt, für die Fotografie ist darüberhinaus wichtig zu wissen, dass das menschliche Gehirn auch hier die Farbwahrnehmung manipuliert, also diese wärmeren Farben ausgleicht und damit diesen Effekt abschwächt. Entsprechend können am späten Nachmittag gemachte Fotos bereits deutlich wärmere Farben haben, die unserem Auge noch nicht so stark auffallen und ein Sonnenuntergang kann auf Fotos leicht bilderbuchartig schön bis kitschig übertrieben aussehen – wenn die Digitalkamera mit ihrem Weißabgleich den Rotstich nicht korrigiert.
Das Licht in der Dämmerung („blaue Stunde“)Mit Dämmerung meine ich die Zeit, kurz bevor die Sonne über dem Horizont erscheint bzw. kurz nachdem sie vollständig unter dem Horizont verschwunden ist. Das besondere an dieser Zeit ist, dass kein direktes Sonnenlicht mehr auf die Umgebung fällt, aber noch viel mehr vom Himmel reflektiertes blaues Licht ankommt als in der Nacht, da der Himmel noch nicht im Schatten der Erde liegt.
In der Fotografie ist diese Zeitspanne wegen der entstehenden intensiv blauen Farben auch als blaue Stunde bekannt. Besonders auffällig ist das kräftige, tiefe Blau des Himmels. Ähnliches gilt, wenn Sie in Städten fotografieren, wo in der Dämmerung künstliches Licht Gebäude anstrahlt. Dann gibt es auch nur eine relativ kurze Zeitspanne, in der die Helligkeit des Himmels genau mit der Helligkeit des Vordergrundes zusammenpasst. Wann genau diese auftritt, ist aber von der Beleuchtung Ihres Motivs abhängig und schlecht vorherzusagen. Das Licht bei bewölktem HimmelDas Licht bei bewölktem Himmel ist nach all den bisherigen Erklärungen schnell ergänzt: Die Farbwiedergabe liegt zwischen der von direktem Sonnenlicht und Schatten, da die Wolken das direkte Sonnenlicht streuen (weshalb ein durchgehend dick bewölkter Himmel uns gleichmäßig hell erscheint). Es fällt also überall indirektes Sonnenlicht hin, das mit etwas Blau vom Himmel gemischt ist. BeispielbilderEin wirklich kalter Wintermorgen, ca. 15 min. vor Sonnenaufgang. Bewegen Sie den Mauszeiger über das Bild, um zu sehen, wie die Farben fünf Minuten später aussehen! Die Sättigung der Farben ist nachträglich leicht erhöht, die Farbtöne sind wie von der Kameraautomatik (Nikon D200) ohne nachträgliche Manipulation.
Das linke Bild ist ca. zwanzig Minuten nach Sonnenaufgang entstanden; die Sonne war gerade weit genug über dem Horizont, um die Bäume anzuleuchten und rötlich erscheinen zu lassen, während die verschneite Wiese im Vordergrund im Schatten und damit bläulich blieb. Auch hier: keine nachträgliche Manipulation der Farbtöne, kein Photoshop, nur eine etwas erhöhte Farbsättigung! Und das rechte Bild ist ein Bild der „blauen Stunde“, der Grande Arche in Paris ist bereits angestrahlt und der Himmel gerade noch hell genug, um tiefblau zu leuchten. Wenige Minuten früher ist das Blau im Himmel blasser, wenige Minuten später geht es in ein trübes, fast schwarzes Dunkelblau über und diese Farben sind vorbei. ZusammenfassungDas natürliche Licht hat verschiedene Farben je nach Tageszeit und Witterung. Die Unterschiede sind stärker, als wir sie mit dem Auge wahrnehmen, da das menschliche Gehirn die Farbwahrnehmung manipuliert. Für natürlich wirkende Fotos muss eine Digitalkamera über den Weißabgleich eine möglichst ähnliche Farbkorrektur wahrnehmen. Alternativ kann sie eine bestimmte Farbwirkung übertreiben, was viel Spielraum für kreative Fotografie ergibt. Für die Standardsituationen von natürlichem Licht gilt:
© Copyright 2009 kompendium-digitalfotografie.de, Martin Schneider. | |||