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Begriffserklärung: Lichtwert

Worum es geht

Jede Belichtungskorrektur an Digitalkameras wird in „Lichtwerten“ angegeben, auch wenn die Kameras diese Einheit unterschlagen und nur die reinen Zahlenwerte wie z.B. ±0,5 oder ±1,0 anzeigen. Dieser Artikel zum Lichtwert zeigt, was diese Angaben genau bedeuten

Zum zweiten ist der Lichtwert der Schlüssel, um das Zusammenspiel der drei Größen zu verstehen, die die Belichtung eines Bildes ausmachen: Blende, Belichtungszeit und ISO-Empfindlichkeit.

Der Begriff Lichtwert wird Ihnen auch an anderen Stellen wieder begegnen, wenn Sie sich mit Fotografie beschäftigen, z.B. wenn es um die sog. „Dynamik&ldquo geht (= den Helligkeitsumfang, den eine Kamera ohne Über- und Unterbelichtung abbilden kann).

Und zu guter Letzt kann man das Konzept des Lichtwertes benutzen, um ein absolutes Maß für Motivhelligkeiten und damit für Belichtungen zu definieren, das heutzutage allerdings kaum noch praktische Bedeutung hat.

Lichtwert als Maß für Belichtungsänderungen

Als Belichtungsänderung um einen Lichtwert (LW) bezeichnet man eine Verdoppelung oder Halbierung der für ein Foto eingefangenen Lichtmenge.
Entsprechend bedeutet eine Belichtungsänderung um +2 oder +3 LW, dass die vier- bzw. achtfache Menge Licht verwendet wird und bei einer Korrektur um −2 oder −3 LW nur ein Viertel bzw. ein Achtel.

Eine Belichtungsänderung um einen Lichtwert kann wahlweise erreicht werden durch:

  • Verdoppelung bzw. Halbierung der Belichtungszeit
  • Vergrößerung bzw. Verkleinerung der Blende um eine Blendenzahl.
  • Die selben Ergebnisse erreichen Sie durch eine Verdoppelung bzw. Halbierung der ISO-Empfindlichkeit, auch wenn dann natürlich die eingefangene Lichtmenge unverändert bleibt.
    Mit der ISO-Empfindlichkeit ändert sich nur die Verstärkung der vom Bildsensor erzeugten Signale.

Diese Regeln gelten für alle Kameras unabhängig vom Hersteller und für einfache Kompaktkameras gleichermaßen wie für anspruchsvolle Spiegelreflex-Kameras. Sie werden aber auf dem Display oder Monitor Ihrer Kamera ziemlich sicher aber nur die reinen Zahlenwerte ohne die Einheit LW angezeigt bekommen.

Gebräuchlich ist statt LW auch die vom englischen Ausdruck „exposure value“ abgeleitete Abkürzung EV.

Bei einer vollautomatischen Belichtung übersetzt die Kamera eine eingestellte Belichtungskorrektur in Veränderungen der Blende und/oder Belichtungszeit und evtl. auch der ISO-Empfindlichkeit.

Rechnerisch ist eine Belichtungsänderung um einen halben Lichtwert (0,5 LW) eine Änderung der Belichtung um den Faktor √2 ≈ 1,41.
Für eine feinere Abstufung können auch Belichtungsänderungen in Drittel-Stufen (angezeigt als ±1 ⁄ 3, ±2 ⁄ 3 etc. oder ±0,3 ±0,7 etc.) verwendet werden; diese entsprechen einer Änderung um jeweils den Faktor von ≈1,26

Der Begriff „Belichtungsstufe“ ist im Zusammenhang mit Belichtungsänderungen gleichbedeutend mit dem Lichtwert.

Lichtwert als absolutes Maß für die Belichtung

Man kann einer Belichtung (=Kombination aus ISO-Empfindlichkeit, Blende und Belichtungszeit) auch einen absoluten Lichtwert zuzuordnen. Alle identischen Belichtungen erhalten denselben Lichtwert.
Man findet daher auch die Definition, dass ein Lichtwert eine Gruppe von Kombinationen aus Blendenzahl, Belichtung und ISO-Empfindlichkeit ist, die eine identische Belichtung ergeben.

Dieses Konzept stammt noch aus Zeiten der analogen Fotografie, bevor sich die vollautomatische Belichtungssteuerung durchsetzte.
Dort war es eine sehr nützliche Hilfe: separate Handbelichtungsmesser zeigten den Lichtwert an, den der Fotograf dann in eine passende Kombination von Blende und Belichtungszeit (unter Berücksichtigung der Empfindlichkeit des gerade eingelegten Films) übersetzte.

Heutzutage hat diese absolute Skala der Lichtwerte bei der üblichen vollautomatischen Belichtung keine praktische Bedeutung mehr und man kann auch gut ohne sie auskommen.
Die absolute Skala ist hier trotzdem der guten Vollständigkeit halber erklärt und da es auch heute noch hilfreich ist, ein Gefühl dafür zu haben, in welchen Bereichen Blende und Belichtungszeiten üblicherweise liegen.
Hinzu kommt, dass sie gelegentlich doch noch in der Praxis auftaucht – z.B. wenn ein Kamerahersteller angibt, bei welchen Lichtverhältnissen der Autofokus und das Belichtungssystem einer Kamera zuverlässig arbeiten (Beispiel: Messbereich des Autofokus −1 bis +19 LW).

Für eine absolute Skala muss zunächst ein Bezugspunkt festgelegt werden, dieser ist:
    LW 0 = Belichtung mit 1s Belichtungszeit bei Blende 1 und 100 ISO.

Theoretisch könnte der Ausgangspunkt für einen Lichtwert von 0 auch beliebig anders festgelegt werden. Die o.g. Definition ist aber eine einheitlich verwendete und nicht nur von den Zahlen her gut zu merken; sie erlaubt auch, die Berechnung des Lichtwertes in einer kurzen mathematischen Formel darzustellen. Diese Formel benötigt den Logarithmus und sei uns hier erspart.

Wie bei der Fotografie auf Filmmaterial (wo sich der Film und damit die ISO-Empfindlichkeit nicht von Aufnahme zu Aufnahme wechseln lässt), kann man dann eine ISO-Empfindlichkeit als konstant annehmen und anschließend eine Tabelle von Lichtwerten erstellen.
Hier die Lichtwerte für ISO 100:

Blende
Zeit ↓
1 1,4 2 2,8 4 5,6 8 11 16 22 32
2″ -1 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9
1″ 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10
1 ⁄ 2 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11
1 ⁄ 4 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12
1 ⁄ 8 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13
1 ⁄ 15 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14
1 ⁄ 30 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15
1 ⁄ 60 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16
1 ⁄ 125 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17
1 ⁄ 250 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17
1 ⁄ 500 9 10 11 12 13 14 15 16 17
1 ⁄ 1000 10 11 12 13 14 15 16 17
1 ⁄ 2000 11 12 14 15 16 17

Die Kombinationen aus Blende und Belichtungszeit mit demselben Lichtwert liegen auf Diagonalen und zeigen, welche Werte identische Belichtungen ergeben – zum Beispiel die in gelb hervorgehobenen Einträge
  1 ⁄ 60 s bei Blende 4
  1 ⁄ 15 s bei Blende 8
  1 ⁄ 250 s bei Blende 2.

Der Übergang von 1 ⁄ 60 s zu 1 ⁄ 15 s bedeutet eine um zwei Lichtwerte verlängerte Belichtung (da vierfache Belichtungszeit, also zweimalige Verdoppelung); der Übergang von Blende 4 zu Blende 8 bedeutet eine um zwei Lichtwerte verkürzte Belichtung (da Blendenöffnung um zwei Blendenwerte verkleinert).
Die Auswirkungen der längeren Belichtungszeit und der kleineren Blende heben sich also auf, die Belichtung ist identisch.

Sofern mit anderen ISO-Werten fotografiert wird, würden sich alle Werte der Tabelle um den gleichen Wert verändern:

ISO LW-Änderung
200 −1
400 −2
800 −3
1600 −4
3200 −5

Lesebeispiel: Wird mit ISO 800 fotografiert, so entspricht eine Kombination aus 1/60 s und f4 nicht dem LW 10 wie in der obigen Tabelle bei ISO 100, sondern einer Helligkeit LW 10 - 3 = LW 7.
Anders ausgedrückt: Durch die höhere ISO-Empfindlichkeit kann man dieselbe Zeit- / Blendenkombination benutzen, die bei ISO 100 eine deutlich höhere Motivhelligkeit (LW 10) erfordert.

Zu guter Letzt sollen noch ein paar (grobe) Standardangaben ein Gefühl dafür vermitteln, welche Helligkeiten in der Fotopraxis auftreten:

LW 17: weißes Motiv im vollen Sonnenschein
LW 13-15: „normal“ helle Motive im Sonnenschein
LW ~10-12: Tageslicht bei düsterem, bewölktem Himmel
LW ~7-9: typische Innenaufnahmen
LW ~3: Nachtaufnahmen auf beleuchteten Straßen
LW unter 0: nachts ohne zusätzliches Licht (kann ohne Mondlicht bis unter −10 gehen)

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