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Was Digitalkameras wirklich voneinander unterscheidet
Die konkreten Vorteile anspruchsvollerer und teurerer Kameras
Zunächst finde ich es wichtig, sich von der (zumindest bei Einsteigern verbreiteten) Vereinfachung frei zu machen, dass man Digitalkameras auf einer Skala anordnen kann, an deren unterem Ende einfach zu bedienende und preiswerte Kameras für mittelmäßige Bilder stehen und an derem oberen Ende teurere und komplizierte Kameras für bessere oder gar „Profi“-Bilder stehen.
Unter guten Bedingungen (=reichlich Tageslicht, ohne zu starke Kontraste durch pralle Sonne und Schatten sowie unbewegte Motive) können heutzutage auch preiswerte Kameras ausgezeichnete Ergebnisse erzielen.
Moderne Elektronik und Fertigungstechnik, die gute Objektive preiswert und klein herstellt, machen es möglich. Und eine teure Kamera kann man ohne weiteres wie ein Anfänger benutzen, indem man die allermeisten Knöpfe und Schalter ignoriert und sich auf die Kameraautomatik verläßt.
Die wichtigen Vorteile von teureren Kameras liegen also nicht pauschal in besserer Bildqualität. Stattdessen finde ich wichtig:
- bessere Bilder bei schwierigen Aufnahmebedingungen - vor allem bei schwachem Licht und bewegten Motiven. Erst hier trennt sich die Spreu vom Weizen, nicht wenn man bei gutem Nachmittagslicht seine Kamera auf den Eiffelturm oder das Brandenburger Tor hält.
Einschränkung: Ich habe keine eigenen Erfahrungen mit den gnadenlos billigsten Digitalkameras unbekannter Hersteller gesammelt und muss diese für die gesamte Kaufberatung außen vor lassen, vielleicht schaffen diese auch unter guten Bedingungen schlechte Bilder.
- Geschwindigkeit - dahinter stehen eine Reihe von technischen Details wie z.B. Auslöseverzögerung, Autofokus-Geschwindigkeit, Ladezeit des Blitzgerätes und auch wie schnell bestimmte Einstellungen für Änderungen zugänglich sind.
Teure Spiegelreflex-Kameras sehen durch ihre vielen Knöpfe und Schalter für Neulinge kompliziert aus - aber viele Knöpfe und Schalter tun Dinge, die einfachere Kameras auch können, nur sind sie wirklich sofort in Sekundenbruchteilen verfügbar.
Auch diese scheinbar kleinen Unterschiede in der Geschwindigkeit der Kamera und ihrer Handhabung können aber darüber entscheiden, ob man einen flüchtigen Moment überhaupt einfangen kann oder ein Bild ganz verpaßt!
Und im letzteren Fall können alle anderen Vorteile einer Kamera nichts mehr retten.
- Die Zahl der Kameraeinstellungen, die sich manuell kontrollieren lassen - hier sehe ich grob drei Stufen:
- Einfache Kameras sind vor allem darauf ausgelegt, alles vollautomatisch zu erledigen.
Der englische Begriff „point and shoot“-Kameras, also „draufhalten und abdrücken„ trifft es am besten. Und sie treffen am besten die Bedürfnisse der „Knipser“.
Wer will und weiß wie, kann eine begrenzte Zahl an Kameraeinstellungen bei Bedarf selbst beeinflussen.
- Danach kommen Kameras, die sich sowohl einfach vollautomatisch bedienen lassen, bei denen sich aber auch viele Einstelllungen bei Bedarf beeinflussen lassen - wenn man es denn möchte und sich mit diesen technischen Details beschäftigt.
- Und zu guter Letzt gibt es Kameras, die nur für den fortgeschrittenen Benutzer (=Technik-Freak oder Fotograf) wirklich geeignet sind, da sich hier sehr viel manuell beeinflussen läßt - und zwar so, dass ein unbedarfter Benutzer zum Teil schlechtere Bilder machen wird als mit einer einfacheren Kamera.
Beispiel: Eine fortgeschrittene Spiegelreflex-Kamera wie die Nikon D200, über die ich auf dieser Webseite recht viel geschrieben habe, schaltet nicht automatisch den Blitz ein, wie dies jede preiswerte Kompaktkamera tut. Wer weiß, wann er blitzen möchten und wann nicht, wird dies zu schätzen wissen: Schließlich ist der Blitz in Sekundenbruchteilen aus- oder eingeschaltet und die automatische Blitzzuschaltung produziert halt ohne etwas „Nachhilfe“ nicht immer die besten Ergebnisse.
Aber die automatische Blitzzuschaltung einer einfachen Kompaktkamera ist immer noch besser, als immer ohne oder immer mit Blitz zu fotografieren.
Eine andere Möglichkeit, mit so einer aufwendigen Kamera schlechtere Bilder als mit einer einfachen Kompaktkamera zu machen, ist, durch Unaufmerksamkeit das Zurücksetzen einmal gemachter manueller Einstellungen zu vergessen. Es gibt bei diesen anspruchsvollen Kameras keinen „Ich-will-mich-jetzt-um-nichts-weiter-kümmern-müssen-Knopf“.
Die verschiedenen Kategorien von Digitalkameras
Auch wenn die als nächstes erklärten, auf diesen Unterschieden aufbauenden Kamera-Kategorien eine recht übliche und nicht von mir entwickelte Einteilung sind, finde ich unverständlich, weshalb die nachfolgenden, in der Praxis so wichtigen Unterschiede selten so klar genannt werden.
Die obigen Überlegungen führen zu fünf Kategorien von Digitalkameras, bei denen ich die Unterschiede zwischen den Kategorien in zwei Kriterien zusammenfasse:
- Kameraleistung - dies bündelt eine Vielzahl von technischen Details über die Bildqualität, die Eignung für schwierigere Aufnahmesituationen und Geschwindigkeit, mit der die Kamera arbeitet.
Dies ist natürlich eine recht pauschale Einteilung – aber es geht zunächst nur um eine Grobeinteilung in Kamera-Kategorien.
- Bedienung - hier benutze ich die zuvor beschriebene Dreiteilung:
einfach - auf Vollautomatik ausgelegt („point-and-shoot“) mit einfachen Möglichkeiten für manuelle Einstellungen
einfach oder anspruchsvoll - wahlweise einfach zu bedienen oder mit erweiterten manuellen Einstellungen
anspruchsvoll - erfordert eine genauere Kenntnis der Bedienung

Kompaktkameras sind also auf einfache, vollautomatische Bedienung ausgelegt und mit ihrer Kameraleistung am unteren Ende der Skala – was aber keineswegs heißt, dass sie schlechte Bilder machen (siehe die vorigen Erläuterungen).
Ultrakompakt-Kameras sind kleinere Ausgaben der Kompaktkameras. Das kleinere Format bedingt kleinere Bildsensoren und Objektive, weshalb ihr Bereich für die Kameraleistung etwas niedriger angesetzt ist.
Sie sind in der Grafik etwas unfair behandelt, da ihr entscheidender Vorteil – dass man sie aufgrund ihres kleinen Formates immer bei sich führen kann – dort nicht zum Ausdruck kommt.
Mit einer Ultrakompaktkamera in der Hosentasche läßt sich immer noch besser fotografieren als mit der teuren Spiegelreflex zu Hause im Schrank ;-) .
Bridge-Kameras
Diese Bezeichnung wird nicht so einheitlich verwendet, man findet auch die Angaben „Prosumer-“, „High End Kompakt-“ oder „Megazoom-“Kamera.
Für mich trifft die Bezeichnung „Bridge“-Kameras den Charakter aber am besten, da diese Kameras tatsächlich eine Brücke zwischen den obigen Kompaktkameras und den nachfolgenden Spiegelreflexkameras schlagen.
Sie haben vor allem durch größere Bildsensoren und Objektive Vorteile in der Bildqualität gegenüber den Kompaktkameras und bieten in der Bedienung eine Wahl zwischen bequemer Vollautomatik und anspruchsvolleren manuellen Steuerungen.
Einsteiger-Spiegelreflex-Kameras oder „SLR“ (für den englischen Ausdruck „single lens reflex“) haben vor allem einen systembedingten Vorteil wie bereits seit Jahrzehnten in der analogen Fotografie: die Möglichkeit, verschiedene Objektive vor die Kamera zu setzen. Und vor allem die Autofokus-Geschwindigkeit ist meist höher.
Davon abgesehen, sind sie den Bridge-Kameras sehr ähnlich und – wenn überhaupt – nur in einzelnen Details besser.
Fortgeschrittene Spiegelreflex-Kameras am oberen Ende der Skala unterscheiden sich durch die anspruchsvollere Bedienung von den Einsteiger-Spiegelreflex-Kameras und bieten durchweg im Detail etwas höhere Leistungen.
Die Top-Modelle in diesem Bereich haben als Alleinstellungsmerkmal sogenannte Vollformat-Bildsensoren, die das gleiche Format wie die analogen Kleinbild-Negative haben (24x36mm). Dies bringt für großformatige Bilder die mit Abstand beste Bildqualität und einen deutlichen Qualitätssprung bei Aufnahmen mit hoher Empfindlichkeit.
Die in der Grafik nicht angedeutete Größe der Kameras nimmt von unten nach oben zu. Sie ist einfach zu vergleichen, hier muss jeder selbst Kameras in die Hand nehmen und entscheiden, welche Größe akzeptabel ist.
Zu guter Letzt sei noch erwähnt, dass diese Übersicht bewußt die sehr teuren und nur für sehr anspruchsvolle Fotografen geeigneten Kameras mit noch größerem Bildsensor außer Acht lässt. Diese bieten Auflösungen von ~20 bis 40 MP und Preise im fünfstelligen Euro-Bereich (Stand Juni 2008). Wer diese Kameras benutzt, wird sich auf anderen Internetseiten als dieser bewegen.
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