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Belichtungskontrolle anhand von HistogrammenWorum es gehtHistogramme sind der zuverlässigste Weg, nach einer Aufnahme auf dem Monitor einer Digitalkamera die Belichtung zu kontrollieren.
Dieser Artikel setzt Kenntnisse darüber voraus, was ein Histogramm ist und wie es zu lesen ist – wenn Sie damit noch nicht vertraut sein sollten, lesen Sie zunächst den Grundlagenartikel zur Erklärung von Histogrammen. Hier geht es um die Anwendung während des Fotografierens – den praktischen Aspekt der Belichtungskontrolle. Wer bereits mit dem Thema vertraut ist, findet vielleicht im vorletzten Abschnitt über die Wichtigkeit der RGB-Histogramme anstelle einfacher Histogramme noch eine neue Anregung. Weshalb die Kontrolle von Über- und Unterbelichtungen direkt nach der Aufnahme wichtig istÜber- und Unterbelichtungen sind deshalb kritisch, weil Bilddetails verlorengehen und in einer rein weißen Fläche (mit Rot-, Grün- und Blau-Anteilen von je 255 in den fertigen JPG-Bildern) bzw. einer rein schwarzen Fläche (mit Rot-, Grün- und Blau-Anteilen von jeweils 0 in den fertigen JPG-Bildern) verschwinden.
Eine Wiederherstellung von Bilddetails ist nur möglich, wenn zumindest feine Helligkeits- und Farbunterschiede vorhanden sind, die sich nachträglich verstärken lassen – also bei leichten Über- und Unterbelichtungen, die noch nicht vollständig schwarz oder weiß sind. Dabei tritt allerdings zwangsläufig ein Qualitätsverlust auf, da den Ausgangsdaten feine Zwischenwerte in der Farb- und Helligkeitsabstufung fehlen. Und daher ist es wichtig, bereits bei der Aufnahme Über- und Unterbelichtungen zu erkennen und nicht blind auf die nachträgliche Bildbearbeitung zu vertrauen. Besonderheiten von RAW-DateienHistogramme werden immer aus fertig „entwickelten“ Bildern mit 8 Bit Farbtiefe (= Rot-, Grün- und Blauanteil von je 0 bis 255) erzeugt, wie sie für die Speicherung im JPG-Format gespeichert und bei der Darstellung auf einem Monitor verwendet wird.
Bei der Erzeugung verschiedener JPG-Dateien aus ein und derselben RAW-Datei mit verschiedenen Einstellungen können sich also auch verschiedene Histogramme ergeben. Und man hat auch nachträglich etwas Spielraum, selbst wenn das Histogramm in der Kamera Über- und Unterbelichtungen anzeigt.
Dieser Hinweis ist allerdings kein generelles Plädoyer, im RAW-Format zu fotografieren – lediglich ein Hinweis, dass es bei Über- und Unterbelichtungen tatsächlich einen guten Grund gibt, den höheren Aufwand für die Verarbeitung von RAW-Dateien in Kauf zu nehmen.
Über- und Unterbelichtungen im Histogramm erkennenÜber- und Unterbelichtungen treten im Histogramm als Spitzen am linken bzw. rechten Rand auf. Hierzu zwei Beispiele, wie sie auf dem Kamera-Monitor aussehen:
Die dünnen Spitzen am äußersten rechten und linken Rand zeigen vollständig über- bzw. unterbelichtete Stellen an.
Etwas breitere Spitzen am rechten oder linken Rand zeigen fast weiße bzw. schwarze Bereiche, in denen nur schwache Details vorhanden sind und die sich in der Bildbearbeitung etwas verbessern lassen. Beachten Sie bitte: Diese Beispiele verwenden nur für eine einfache, schrittweise Erklärung dieses Themas einfache Histogramme, die für eine Bewertung von Über- und Unterbelichtung schlechter geeignet sind als RGB-Histogramme.
Und bedenken Sie bitte auch, dass die Form eines Histogrammes auch sehr unregelmäßig aussehen kann. Es ist nicht nötig, über das Erkennen von Über- und Unterbelichtungen hinaus das ganze Diagramm mit all seinen Bergen und Tälern zu untersuchen!
Über- und Unterbelichtungen im Histogramm bewertenÜber- und Unterbelichtungen sind nur dann ein Problem, wenn sie bei wichtigen Teilen des Motivs auftreten. Angewendet auf die obigen Beispielbilder bedeutet das:
Idealerweise erstreckt sich ein Histogramm über die ganze Breite und fällt zum linken und rechten Rand hin ab. Das bedeutet nämlich, dass das Bild die ganze Helligkeitsabstufung von schwarz bis weiß ausschöpft, also reichlich Kontraste hat und alle Teile des Bildes erkennbar („durchgezeichnet“) sind – ohne fast schwarze Schatten und ausgefranste, blasse helle Partien. Und es bedeutet, dass für die nachträgliche Bildbearbeitung mit Sicherheit noch Spielraum besteht.
Histogramme sehr kontrastreicher MotiveZur Veranschaulichung der häufigen Fälle, die nicht diesem Idealtyp entsprechen, kommen hier zwei unterschiedlich belichtete Bilder vom selben Motiv, das viel höheren Kontrast besitzt, als eine digitale Kamera abbilden kann – wiederum mit dem direkt vom Kamera-Monitor abfotografierten Histogramm:
Das obere Histogramm zeigt eine Art Säule links für die vielen unterbelichteten Pixel des Vordergrundes und mittlere Helligkeiten für den gut durchgezeichneten Himmel mit der großen Wolke.
Hier gibt es keine richtige Belichtung, die alle Bildteile rettet; lediglich ein vollständiges Ignorieren des Vorder- oder Hintergrundes und Belichtung nur auf den anderen Teil kann das Bild retten.
Exkurs: Histogramme kontrastarmer MotiveEs folgt ein gegenteiliges Beispiel mit geringeren Kontrasten:
Das untere Bild ist in allen Aufnahmedetails identisch bis auf die Auswahl eines höheren Kontrastes in den Kameraeinstellungen.
Ob solch ein erhöhter Kontrast dem Bild gut tut, ist aber vom Motiv abhängig. Die raue Steinoberfläche erscheint dadurch plastischer; z.B. bei Gesichtern kann zu viel Kontrast in der Kameraeinstellung aber Bilder mit unnatürlich hart wirkenden Kanten ergeben. Warum Sie RGB-Histogramme anstatt einfacher Histogramme verwenden solltenDer Mangel an einfachen Histogrammen ist, dass sie nicht erkennen lassen, ob ein einzelner Farbkanal rot, grün oder blau überbelichtet ist. Dies tritt aber häufig auf und dann verliert Ihr Motiv zwar keine Details durch vollständige Überbelichtung, aber die Farben werden blasser oder sogar verfälscht.
Der helle Teil im rechten Ausschnitt gehört zu den Stellen, bei denen der rote Farbkanal überbelichtet ist (Rot-Anteil im fertigen JPG-Bild: 255), grün und blau jedoch nicht und das einfache Histogramm zeigt diese Überbelichtung nicht an.
Daher: Kontrollieren Sie zur Beurteilung der Belichtung immer das RGB-Histogramm, sofern es verfügbar ist. Es besteht sonst das Risiko, dass auch bei wichtigen Bilddetails die Farben blass oder gar verfälscht sind und Sie dies nicht erkennen!
Idealerweise zeigt die Kamera drei einzelne RGB-Histogramme und ein kombiniertes wie in der folgenden Beispielanzeige des Kamera-Monitors. Sie gehört zu dem Bild, aus dem der rechte Ausschnitt stammt und Sie können dort eine hohe rote Spitze für die Überbelichtung der Rotanteile erkennen.
Die oben genannte Regel zur Erkennung von Überbelichtungen muss also genauer heißen: Keines der drei einzelnen Histogramme für die Rot-, Grün- und Blauanteile darf rechts eine Spitze aufweisen, wenn Sie kritische Überbelichtungen vermeiden wollen.
Eine Hilfe für das Erkennen dieser Überbelichtungen ist die Anzeige, welche Stellen im Bild überbelichtet sind, sofern Ihre Kamera diese Funktion anbietet.
Zusammenfassung: Typische Histogramm-Merkmale, auf die Sie achten solltenMan kann also bei der Bewertung der Histogramme drei Fälle unterscheiden:
AusblickAls dritter Artikel zum Thema Histogramme folgt in Kürze „Histogramme in der Bildbearbeitung“. Damit ergibt sich eine klar gegliederte Darstellung im Sinne dieses Kompendiums zur Digitalfotografie - ein Grundlagenartikel zur Begriffserklärung, einer zur praktischen Anwendung beim Fotografieren und einer zur praktischen Anwendung in der nachträglichen Bildbearbeitung. © Copyright kompendium-digitalfotografie.de, Martin Schneider. | |||