Die Blende in der Digitalfotografie
Worum es geht
Dieser Grundlagenartikel erklärt:
- was die „Blende“ in der Digitalfotografie bedeutet
- wie die von einer Kamera angezeigten Blendenwerte zustande kommen
- welche praktische Bedeutung die Blendenwahl in der Fotografie hat.
Was ist die Blende?
Die Blende ist die Öffnung des Objektivs, durch die für die Belichtung eines Fotos Licht auf den Bildsensor fällt.
Bewegen Sie den Mauszeiger über das Bild!
Sie besteht aus kreisförmig angeordneten Lamellen, die sich verschieben lassen und eine annähernd runde Öffnung ergeben.
Bei auswechselbaren Objektiven von Spiegelreflex-Kameras erlaubt ein kleiner Metallstift, die Größe der Blende zu verändern. Bewegen Sie den Mauszeiger über das Beispielbild links, um zu sehen, wie dies funktioniert!
Es handelt sich bei dem Foto um ein altes manuelles Nikon-Objektiv, das Prinzip ist aber bei jahrzehntealten Objektiven aus der Analog-Fotografie dasselbe wie bei modernen.
Bei allen modernen Spiegelreflex-Kameras übernimmt die Kamera die Blendensteuerung, indem sie diesen Stift bewegt. Bei früheren manuell zu bedienenden Kameras musste man einen Ring am Objektiv drehen, der mit den im nächsten Abschnitt beschriebenen Blendenzahlen beschriftet war.
Wenn man durch den Sucher einer Kamera schaut, ist die Blende stets voll geöffnet, damit das Sucherbild möglichst hell ist. Beim Auslösen der Kamera rutschen die Lamellen der Blende dann über einen Federmechanismus zur gewünschten Blendenöffnung zusammen.
Die Blendenzahl
Die Größe der Blende wird angegeben durch die Blendenzahl.
Diese ist das Verhältnis der Objektiv-Brennweite zum Durchmesser der Blendenöffnung.
Die Größe der Öffnung steht dabei im Nenner, daher bedeuten
kleinere Blendenzahlen eine größere Öffnung und reichlichere Belichtung
größere Blendenzahlen eine kleinere Öffnung und knappere Belichtung.
Die üblichen Blendenzahlen sind:
| 1 – 1,4 – 2 – 2,8 – 4 – 5,6 – 8 – 11 – 16 – 22 – 32
|
| größere Blendenöffnung ←
| → kleinere Blendenöffnung
|
Üblich ist die Angabe der Blendenzahl mit einem vorangestellten f wie z.B. „f ⁄ 8“ für Blende 8.
Der Buchstabe f ist das gängige Symbol für die Brennweite („focal length“ im Englischen) und der schräge Trennstrich ist ein Bruchstrich. „f ⁄ 8“ steht also für eine Blendenöffnung mit einem Durchmesser von 1 ⁄ 8 der Brennweite.
Jede Änderung der Blendenzahl von einem Wert zum nächsten bewirkt lässt doppelt so viel Licht durch das Objektiv – bewirkt also eine Belichtungsänderung um einen Lichtwert und somit dasselbe wie eine Verdoppelung bzw. Halbierung der Belichtungszeit.
(Hintergrund: Jede Blendenzahl ist ca. √2 × die vorige Blendenzahl. Und eine Zunahme der Blendenzahl um diesen Faktor bedeutet eine Verdoppelung der Blendenöffnung und damit der durchfallenden Lichtmenge, da die Fläche eines Kreises quadratisch mit seinem Radius wächst.)
Es gibt auch feinere Abstufungen der Blendenzahl, bei der Zwischenwerte der oben stehenden Zahlen verwendet werden.
Die praktische Bedeutung der Blende
Die Blende ist zunächst entscheidend für die Belichtung – zusammen mit der Belichtungszeit und ISO-Empfindlichkeit.
Im einfachen Fall der vollautomatischen Belichtung einer Kompaktkamera wird die Blende nicht angezeigt und der Fotografierende braucht sie auch nicht zu kennen. Im fortgeschrittenen Fall der Bridge-Kameras oder Spiegelreflexkameras wird die Blende im Sucher bzw. Display angezeigt und man kann einfach auf die Kameraautomatik vertrauen (sprich die angezeigte Blende ignorieren) oder sie bewusst beobachten und ggf. verändern, da sie folgende Auswirkungen auf Ihre Fotos hat:
- Schärfentiefe – eine kleinere Blende (=größere Blendenzahl) bewirkt, dass ein größerer Entfernungsbereich scharf abgebildet wird.
Das ist für die Bildgestaltung durchaus wichtig: Landschaftsaufnahmen gewinnen, wenn sie einen großen Bereich vom Vordergrund bis zum Hintergrund scharf abbilden (→ kleine Blende = große Blendenzahl wählen); bei Porträts ist üblicherweise ein unscharfer Hintergrund durchaus erwünscht (→ große Blende = kleine Blendenzahl wählen).
Die Schärfentiefe ist aber neben der Blende auch abhängig von der Brennweite des Objektivs: Weitwinkelobjektive (kleine Brennweite) haben stets eine größere Schärfentiefe als Teleobjektive (große Brennweite).
Die Blende hat aber keinen Einfluss auf die Bildschärfe in der Entfernung, auf die die Kamera exakt scharf gestellt hat. Es ist ein Irrtum, zu glauben, dass mit kleinerer Blende auch die maximal erreichbare Schärfe zunimmt.
- Es gibt eine Wechselwirkung mit Belichtungszeit und ISO-Empfindlichkeit:
eine größere Blende erlaubt die Verwendung kürzerer Verschlusszeiten und / oder niedrigerer ISO-Empfindlichkeiten. Und kürzere Verschlusszeiten bringen geringere Verwacklungsgefahr und Bewegungsunschärfe, niedrigere ISO-Empfindlichkeiten bringen bessere Bildqualität durch geringeres Rauschen.
- Abbildungsfehler des Objektivs verändern sich mit der Blende. Die sichtbaren Auswirkungen von Abbildungsfehlern in den fertigen Bildern sind fein und ihre Abhängigkeiten sowohl komplex als auch von Objektiv zu Objektiv anders, daher ist dieses Thema hier (noch) nicht tiefergehend erklärt.
Es gibt aber einen eigenen Artikel mit Beispielfotos zur Abhängigkeit der Bildschärfe von der Blende und eine Übersicht der Abbildungsfehler von Objektiven.
So lange Sie keine hochpreisige Spiegelreflex mit Vollformat-Sensor benutzen, gilt vor allem wegen der bei kleinen Blenden abnehmenden Schärfe nicht pauschal, dass die Abbildungsqualität mit immer kleineren Blenden besser wird. Wer es einfach halten möchte, kann einfach als Faustregel mittlere Blendenzahlen um 8 bevorzugen, solange nicht die vorigen Punkte eine andere Blende ratsamer erscheinen lassen.
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